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Mitteilungen der Liedertafel Limmer
Ausgabe 4 / 2007

Ausgabe
3 / 07

Tenor (4 /07)
Tenor
Zum zweiten Mal hatten wir Gelegenheit auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Bahnhof einige Lieder unseres Weihnachtsrepertoires zu präsentieren. Wenn es auch nur mäßig kalt, aber zugig war und Stimmbildung irgendwie nicht recht zum Erfolg führte, so ist dies doch auch für die Chormitglieder ein wenig Vorbereitung und Einstimmung auf Weihnachten. Allen Sängern sei herzlich Dank gesagt !
Beim anschließenden Bummel über den Weihnachtsmarkt fiel mir die Inschrift auf dem Sockel des Denkmals auf:
DEM LANDESVATER SEIN TREUES VOLK
so steht es geschrieben am Reiterstandbild vor dem Bahnhof. Der ankommende Reisende fragt sich vielleicht, ist man in (der ehemaligen Provinzhauptstadt) Hannover nicht so recht der deutschen Sprache mächtig? Bei näherer Betrachtung wird klar, auf dem Sockel wird nicht „dem Landesvater sein treues Volk“ geehrt, sondern der Landesvater Ernst August höchstpersönlich dargestellt und sein treues Volk hat ihm dieses Denkmal gesetzt. Ach so !
hms



Tenor (4 /07)

Singen macht glücklich und gesund
Singen macht nicht nur Spaß, es fördert auch die seelische und körperliche Gesundheit. Denn beim Singen werden Glückshormone ausgeschüttet, das Immunsystem kommt in Schwung und Herz-Kreislauf-System und Atmung werden positiv beeinflusst.
Bereits das alltägliche Singen hat gesundheitsfördernde Wirkung, egal ob dabei eine Melodie perfekt gesungen wird oder nicht. Je mehr Spaß und Freude der Sänger empfindet, umso größer ist die positive Wirkung. Leider wird das Singen zunehmend den Profis überlassen und Musik eher passiv konsumiert. Dabei wäre es angesichts all der positiven und heilsamen Wirkung des Singens wünschenswert, wenn wieder mehr Menschen regelmäßig und mit Spaß an der Sache ihre Stimme erheben würden.
Eine Fülle von Forschungsarbeiten belegt, dass Gesang unser Gehirn und damit unsere Emotionen beeinflusst und regulierend und harmonisierend auf psychische Prozesse wirken kann. Ganz gleich, ob jemand im Chor oder zu Hause unter der Dusche singt. Singen führt zu größerer Ausgeglichenheit und stärkt das Selbstbewusstsein. Es fördert die Koordination der beiden Gehirnhälften, stärkt das Selbstwertgefühl und damit auch die Lebensfreude. Eine Schlüsselrolle für die gesundheitsfördernde Wirkung des Singens scheint hierbei in der Veränderung des Atemrhythmus beim Singen zu liegen. Viele Menschen atmen zu flach und nutzen nur einen Teil Ihres Lungenvolumens. Singen unterstützt die richtige Atmung. Denn beim Singen atmen wir unwillkürlich tiefer. So wird der Organismus mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt.
Außerdem werden die Gehirnchemie und die hormonellen Kreisläufe beeinflusst. So kommt es bereits nach ca. 15 Minuten Singen zu einer Reduktion des Stresshormons Adrenalin und zur Produktion eines regelrechten Glückscocktails aus Botenstoffen wie Serotonin und Noradrenalin. Gleichzeitig wird die Aktivität in Hirnzentren, die mit unangenehmen Erfahrungen in Verbindung stehen, gedämpft.
Singen stärkt zusätzlich das Immunsystem durch eine vermehrte Produktion von Immunglobulin, einem Antikörper, der Krankheitserreger und Allergene unschädlich macht. Weitere günstige Auswirkungen des Singens zeigen sich in einer Erhöhung der Herz- Kreislauf-Fitness.
Für Kinder heißt Chorsingen Spaß haben. Für Berufstätige ist der Chor der nötige Ausgleich zum Alltagsstress. Für Senioren bedeutet Chorsingen aktiv zu bleiben. Die Stimme ist sozusagen das Urinstrument, das uns von Geburt an zu Eigen ist und mit dem wir uns bereits als Baby durch Lallen, Wimmern und Schreien auszudrücken vermögen. Heute weiß man, dass der frühe Dialog zwischen Eltern und Kind wesentlich zur Ausbildung und Entwicklung der Persönlichkeit und zur Regulation von Emotionen und Affekten beim Kind beiträgt.
Er beginnt bereits vor der Geburt durch den mütterlichen Herzschlag und ihre Stimme, die dem Fötus ein Gefühl von Geborgenheit und Urvertrauen vermitteln.
Besonders die Singstimme der Mutter scheint neueren Forschungen zufolge stark auf die Entwicklung der Kinder zu wirken. Der mütterliche Gesang fördert die Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff, stabilisiert das Herz-Kreislauf-System und regt die neuronale Vernetzung des Gehirns an.
Auch auf die Schulleistung von Kindern hat Singen positive Auswirkungen. Musizieren und Singen fördert nicht nur die Intelligenz, sondern auch die soziale Kompetenz der Schüler sowie die Entwicklung von Sprache, Denken, Koordination und Konzentrationsfähigkeit. Singen wirkt sich damit sogar positiv auf die Lese- und Rechtschreibleistung bei Kindern aus.
Für Berufstätige kann regelmäßiges Singen zum nötigen Ausgleich und Stressabbau beitragen. Bei älteren Menschen fördert Singen die körperliche und geistige Ausgeglichenheit und eine anhaltende geistige Leistungsfähigkeit. Außerdem kräftigt es die Stimmmuskulatur, die im Alter häufig erschlafft.
Dabei ist jeder Mensch musikalisch. Die Stimmbänder sind letztlich Muskeln, deren Fitness durch Übung und Wahrnehmung geschult werden kann, wie die körperliche Fitness durch Sport.
Forscher glauben, dass Singen für die Menschheit schon immer mehr war als bloßer Zeitvertreib. Denn die menschliche Stimme kann viel mehr, als zum Sprechen nötig wäre.
Unsere Stimme ist in der Lage, Töne zu erzeugen, die drei Oktaven abdecken, obwohl für die Sprache etwas mehr als die Hälfte einer Oktave ausreichen würde. Auch die Fähigkeit, Töne lange zu halten, ist beim Sprechen eigentlich nicht notwendig. Forscher schließen daraus, dass unsere Vorfahren schon singen konnten, bevor sie sprechen lernten. Auch die Wahrnehmung von Musik scheint biologisch verankert zu sein: Kleine Kinder beispielsweise müssen nicht lernen, welche Klänge harmonisch sind, sie wissen dies instinktiv.
Auch erfassen sie die musikalischen Anteile von Sprache früher als ihre Bedeutung. So nehmen Babys das, was die Eltern sagen, zunächst als melodischen Lautstrom wahr. Das spiegelt sich auch im Gehirn wider, wo Sprache und Musik von der gleichen Hirnregion verarbeitet werden. Dies kann in Hinblick auf die Evolutionstheorie nur bedeuten, dass Singen den frühen Menschen einen Überlebensvorteil brachte. Denn was keinen Nutzen bringt, verschwindet in der Regel im Laufe der Evolution. Für die Frauen wiederum diente das Singen wahrscheinlich der Kommunikation mit den Kindern. Wenn Mütter mit ihren Babys sprechen, ist die Stimme in der Regel höher und erstreckt sich über einen größeren Frequenzbereich, das Sprechtempo verlangsamt sich und die Sprechmelodie wird übertrieben – genau wie beim Singen. Tatsächlich konnte die beruhigende Wirkung von Musik und Gesang auf Babys wissenschaftlich nachgewiesen werden. Gesang hat eine universelle Verbreitung in allen Kulturen. Es gibt eine Vielzahl von Traditionen und Bräuchen, in denen Gesang und Lieder dazu dienen, seelisches Erleben und Empfinden miteinander zu teilen.
Unser Buchtipp: P. S. Phillips: Singen für Dummies. Wiley-VCH, 2006. ISBN: 978-3527703128
Mitteilungen der Liedertafel Limmer
Ausgabe 3 / 2007