Über die Seite:
sind Sie auf der Seite:
Heute ist der

Zur Anfahrtskizze bitte hier anklicken
Bitte zur großen Bilddarstellung anklicken
Im Zuge der sozialdemokratischen Bewegung Ende des vorletzten Jahrhunderts wurde neben der Gründung der SPD auch bald das Bedürfnis wach, für die nun zusammengeschlossenen Mitglieder das gesellige Leben zu pflegen und zu heben. So wurde am 18. März 1875 in Limmer der Arbeiter-Sängerbund gegründet. Als Vereinsfarben wurden damals (schon) die Farben Schwarz-Rot-Gold gewählt. Der erste Vorsitzende war Heinrich Sievers und der erste Dirigent, bzw. Chorleiter der Ortsschullehrer Herr Beins. Gesungen wurde in der Schule.

Wenn Sie, als geneigter Leser nun gestutzt und gerechnet haben: 1875 bis 2010, das sind doch 135 Jahre, so hoffen wir, dass Sie zur Klärung noch ein wenig Zeit auf diese Lektüre verwenden:
Sowohl in der staatlichen, wie auch in der kirchlichen Obrigkeit sah man die vielfachen Vereinsgründungen der Arbeiterschaft mit äußerstem Missfallen. Fürchtete man doch „staatsumstürzendes Beginnen". So wurde immer wieder Schullehrern die Mitwirkung entweder untersagt oder nach kurzer Dauer unterbunden. Der Arbeiter- Sängerbund beschäftigte daher einige Jahre einen Berufsmusiker als Dirigenten.

Am 9. und 16. September 1883 wurde zusammen mit 27 Liedertafeln aus Hannover und Umgebung ein Sängerfest -wohl das größte bisher am Ort - auf der Ratswiese an der Wunstorfer Straße gefeiert. Dieses Fest empfand die staatliche Obrigkeit als ernste Bedrohung. Es wird berichtet, daß die Polizei angewiesen war, einen Krawall zu provozieren um das Fest dann aufzulösen. Die Festbesucher ließen sich nicht provozieren. Das Fest ging friedlich zu Ende; die scharf geladenen Waffen der Polizei kamen nicht zum Einsatz. Trotzdem wurde der Arbeiter- Sängerbund kurze Zeit später aufgelöst. Die Fahne wurde beschlagnahmt, die Vereinsutensilien amtlich verkauft. Ein vom Verein beauftragter Rechtsanwalt sollte eine ausführliche Beschwerdeschrift rechtlich untermauern und die Interessen des Vereins vor dem Amtsgericht vertreten. Er ließ jedoch die Beschwerdeschrift einfach liegen und die Berufungszeit verstreichen. Damit wurde das Verbot rechtskräftig und der Verein auf Grund des Sozialistengesetzes am 2. Januar 1884 endgültig verboten. Der Versuch, ca. ein Jahr danach, am 25. Januar 1885 den „Fachverein vereinigter Berufszweige" zu gründen scheiterte schon zwei Monate später, da er als Fortsetzung des oben genannten Sängerbundes betrachtet und erneut verboten wurde. Der Vorstand gab sich damit nicht zufrieden, opferte das Pfingstfest zur Ausarbeitung einer umfangreichen Gegenschrift und zerpflückte die Verbotsargumente. Der preußische Minister des Innern, Herr von Puttkamer hat dann schließlich das Verbot aufgehoben. Der herrschende Zeitgeist gegen die Sozialisten hatte wohl auch an Schärfe verloren.
Als Gründungsjahr muss also
das Jahr 1885 angesehen werden.
Zum Betrachten einer Fotomontage der Aktiven aus dem Jahr 1912 bitte hier anklicken
Zum Betrachten der Vereinsfahne bitte hier anklicken
Das Tätigkeitsfeld des Fachvereins genügte bald nicht mehr und im Limmerbrunnen wurden zum Ende des Jahres neue Vereinsstatuten festgelegt. Der liebgewordene Gesang war wieder eingeführt. Der Verein nahm einen ungeheuren Aufschwung. Ein Frauen- und Mädchenchor kam hinzu. Das Vereinsleben erfüllten Kurse und Vorträge, die das geistige und kulturelle Niveau hoben. Die verbriefte Aussage eines damaligen langjährigen Mitgliedes sei hier erwähnt: „Der Arbeiter-Bildungsverein war die Schule, in der ich mein Wissen und Können erlernt habe". 1904, also vor rund 105 Jahren wurde erstmals ein eigenes Chorkonzert gegeben. Bis dahin beschränkte man sich auf Vereins- und Liederabende. Die Vereinsgeschichte erlebte noch manches „Auf und Ab". Nach großen Lücken in den Reihen der Sänger nach dem ersten Weltkrieg konnte der Verein auf bis zu 450 Mitglieder wachsen. Auch die Nationalsozialisten hatten Angst vor unkontrollierbarem Vereinsleben und so führte 1933 der zunehmende politische Druck auf den limmerschen Gesangverein zur Selbstauflösung. Diesmal ging erneut das vereinseigene Inventar, das Notenmaterial und die Bibliothek verloren. Erhalten geblieben ist die kunstvoll gestickte und aus edlen Stoffen von dem Maler Wilhelm Watermann gefertigte Vereinsfahne (derzeit zu besichtigen im Freizeitheim Linden).

Noch im Jahr 1945 erlaubte die damalige britische Militärverwaltung die Neugründung der Liedertafel. Höchst engagierte Chorleiter und Vorsitzende haben auch nach dem zweiten Weltkrieg jeweils über mehrere Jahrzehnte die Geschicke der Liedertafel geprägt. Erwähnt seien hier die Ersten Vorsitzenden Oskar Krautheim, Hugo Neuenfeld, und -last but not least -Thomas Neuenfeld, der den Vorsitz seit Jan. 2007 inne hat. Chorleiter waren während dieser Zeit Karl-Heinz Sander und Helbert Pfeiffer. Seit Jan.2006 trainiert Detlef Nietsch ca. 40 aktive Sängerinnen und Sänger.
Die Mitgliederzahl ist seit vielen Jahren recht konstant und bewegt sich bei ca. 80 aktiven und fördernden Vereinsmitgliedern. Seit 1970 hat der Verein Räumlichkeiten im Freizeitheim Linden für die wöchentlichen Übungsstunden angemietet. Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Liedertafel Limmer mit Verleihung der Zelter-Plakette durch den damaligen Oberbürgermeister Schmalstieg bildeten nur einen - wenn auch herausragenden - Höhepunkt im Vereinsleben. Gern bringen wir zahlreiche Chorkonzerte, jährliche mehrtägige Reisen, Weihnachtsfeiern, Wurstessen, Grillfeste im Süntel, Preisschießen, Preisskat und öffentliche Auftritte im Stadthallengarten und zum Stadteilfest Limmer in Erinnerung. Um die fröhliche Zukunft der Liedertafel Limmer brauchen wir nicht „bange" zu sein. Viele aktive Sängerinnen und Sänger und auch die Mitglieder des erweiterten Vorstandes sorgen gemeinsam für ein harmonisches Vereinsleben.
Unser besonderer Dank gilt unserem engagierten Chorleiter Detlef Nietsch und unserem rührigen 1. Vorsitzenden Thomas Neuenfeld.
Zur Anfahrtskizze bitte hier anklicken
Zur Anfahrtskizze bitte hier anklicken